Die selige Rosa Flesch

Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Waldbreitbach entstanden. Ihre Gründerin, Mutter Rosa Flesch, war eine einfache Frau, der man damals (heute wäre es kaum anders) nicht viel zutraute.

Sie war eine große Beterin, eine begabte Unternehmerin und vor allem eine liebende und demütige Frau.

Margaretha Flesch – Mutter Rosa. Die Gründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen ist selig gesprochen worden – ein Portrait

Waldbreitbach. Als sie am 25. März 1906 morgens um 9.30 Uhr friedlich einschläft und für immer die Augen schließt, da ereignet sich Unerwartetes: Die Nachricht vom Tode Mutter Rosas verbreitet sich wie ein Lauffeuer in Waldbreitbach und im Wiedtal. Zu ihrem Begräbnis strömen die Menschen aus allen Himmelsrichtungen herbei – sie wollen ihre tiefe Dankbarkeit und innere Verbundenheit mit Mutter Rosa zum Ausdruck bringen und dieser einfachen, klugen, besonnenen und tiefgläubigen Frau, die in ihrem Leben so viel Segensreiches gewirkt hat, die letzte Ehre erweisen. Unerwartet ist diese Reaktion deshalb, weil Mutter Rosa die letzten 28 Jahre ihres Lebens in äußerer Isolation und innerer Einsamkeit gelebt hat; denn die neue Ordensleitung hatte die Gründerin der Gemeinschaft an den Rand gedrängt und gezielt totzuschweigen versucht. Die Menschen aber haben Mutter Rosa nicht vergessen.

Blenden wir zurück. Am 24. Februar 1826 erblickt Margaretha Flesch, wie die Stifterin mit bürgerlichem Namen hieß, in Schönstatt/Vallendar das Licht der Welt. Sie ist die älteste Tochter eines mittellosen Ölmüllers. Als sie sechs Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter, zehn Jahre später der Vater. Da lebt die Familie aber schon in der Keltermühle im Fockenbachtal bei Niederbreitbach im Wiedtal. Jetzt muss Margaretha für ihren Unterhalt und den ihrer sechs jüngeren Geschwister sorgen. Armut und Not sind ständige Gäste im Haus der Familie Flesch.

Ihre Berufung, schlicht und einfach unter den Menschen zu leben, erfährt Margaretha Flesch bereits im Alter von acht Jahren. Menschen in Krankheit, Armut und Not vorbehaltlos zu helfen, dem verschreibt sie sich aus ihrer christlichen Verantwortung heraus schon als junge Frau. Weil sie rasch erkennt, dass effektive Hilfe nur im Miteinander möglich ist, ist die Gründung einer Gemeinschaft ihr Ziel. Bis sie dieses Ziel erreicht, vergehen noch viele Jahre und sie muss auf diesem Weg unzählige Steine aus dem Weg räumen.

Im Herbst 1851 zieht Margaretha mit ihrer epilepsiekranken Schwester Marianne in eine der leerstehenden, ärmlichen Klausen in der Kreuzkapelle nahe Waldbreitbach. Von hier aus betreut sie die Armen und Kranken der Gemeinde. Zusätzlich nimmt sie Waisenkinder bei sich auf. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie als Tagelöhnerin, mit Handarbeiten und Unterricht, den sie an den Schulen der Umgebung in Handarbeit und sparsamer Haushaltsführung erteilt.

1856 gesellen sich die ersten gleichgesinnten Frauen zu Margaretha. 1861 endlich können sie mit dem Bau eines ersten Hauses auf dem Waldbreitbacher Kapellenberg beginnen. Am 11. November 1861 ist das erste Marienhaus bezugsfertig.

Margaretha ist 37 Jahre alt, als sie am 13. März 1863 zusammen mit zwei Gefährtinnen die ersten Gelübde ablegt. Sie nimmt den Namen Schwester Maria Rosa an und wird die erste Generaloberin. Die Gemeinschaft der Waldbreitbacher Franziskanerinnen entwickelt sich in den ersten Jahren ihres Bestehens mit großer Dynamik. Die Zahl der Schwestern wächst rasch. Die erste Filiale entsteht bereits wenige Wochen nach der Gründung in Adenau, weitere folgen. 1878, als die Amtszeit von Mutter Rosa als Generaloberin endet, sind in 22 Filialen bereits über 100 Schwestern tätig. – So wächst aus dem Nichts im Vertrauen auf Gott ein beachtliches Werk: Margaretha, die keine besondere Schulbildung erfahren hat und auch ohne geregelte Einkünfte auskommen muss, legt den Grundstein für eines der heute großen Unternehmen im Gesundheits- und Sozialbereich: die Marienhaus GmbH Waldbreitbach.

Dann geschieht das Unfassbare: Als sie 1878 nicht mehr wiedergewählt werden kann, reißen andere im Orden die Führung an sich. Mutter Rosa wird ausgegrenzt, ihr Andenken systematisch aus dem Gedächtnis der Gemeinschaft getilgt. Mit Manipulation und Wahlfälschung verhindern der geistliche Rektor der Gemeinschaft und die neue Generaloberin auch 1881 ihre Wiederwahl.

Mutter Rosa wird von der neuen Ordensleitung in abgelegene Filialen versetzt, lebt von 1885 bis zu ihrem Tode am 25. März 1906 still und unerkannt im St. Marienhaus. Viele junge Schwestern wissen nicht, dass sich hinter der alten Gartenschwester die Ordensgründerin verbirgt. Es dauert Jahrzehnte, bis sich die Gemeinschaft ihrer erinnert und ihrer Gründerin die Anerkennung und Wertschätzung zukommen lässt, die dieser einfachen, klugen und besonnenen Frau gebührt, die um ihre eigene Person nie Aufhebens gemacht hat.

Literarisch haben in den letzten Jahrzehnten vier Autorinnen und Autoren Leben und Werk Mutter Rosas aufgearbeitet – der Franziskaner Friedrich Albert Groeteken; Jakob Adam Backes, lange Jahre Rektor der Gemeinschaft; die Benediktinerin Maura Boeckeler und im Jahre 2005 der Theologe und Journalist Hans-Joachim Kracht. In seiner Biografie Leidenschaft für die Menschen, Margaretha Rosa Flesch – Leben und Wirken schildert Kracht Mutter Rosa als standfest und flexibel, beharrlich und zielstrebig, als eine überzeugende Persönlichkeit, zupackend und geschickt im Einsatz für Gott und die Menschen. Eine Frau, die selbst in bitteren Zeiten ihrer Gemeinschaft treu bleibt. Sie gibt ihr Leiden gleichsam hin für das segensreiche Gedeihen ihrer Gemeinschaft und sieht das Leid und die Erniedrigung in diesen Jahren als „Pflastersteine auf dem Weg zum Himmel“.

Mutter Rosa – sie war eine große Beterin, eine begabte Unternehmerin und vor allem eine liebende und demütige Frau, die auch und gerade im Leiden gereift ist. – Mit ihrer Seligsprechung erkennt die Kirche an, dass Mutter Rosa vorbildlich aus dem Glauben gelebt und Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist.

 

Mutter Rosa kann für viele Menschen ein Vorbild sein

Mutter Rosa wurde am 4. Mai in einem feierlichen Pontifikalamt selig gesprochen – rund 6.000 Gläubige feierten mit den Waldbreitbacher Franziskanerinnen die Gründerin der Gemeinschaft.

Trier. Gleich zweimal brandete während der Feier tosender Beifall auf: Das erste Mal, als am Ende des Seligsprechungs-Ritus das überdimensionale Bild Mutter Rosas über dem Altar enthüllt wurde; das zweite Mal am Ende des Gottesdienstes beim Auszug der Zelebranten. Dieser herzliche Applaus galt Mutter Rosa, der Ordensgründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen. Diese einfache und kluge Frau, die sich Zeit ihres Lebens aus einem tiefen Glauben heraus der Nöte ihrer Mitmenschen vorbehaltlos annahm, wurde am 4. Mai in einem feierlichen Pontifikalamt im Trierer Dom selig gesprochen. Mit den Waldbreitbacher Franziskanerinnen feierten rund 6.000 Gläubige im Dom und auf dem Domfreihof, wohin der Gottesdienst live übertragen wurde, dieses einmalige und bewegende Fest. Und demonstrierten damit eindrucksvoll, daß Mutter Rosa auch mehr als 100 Jahre nach ihrem Tod den Menschen heute etwas zu sagen hat und ein Vorbild für viele sein kann. – Die Seligsprechung nahm der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner im Namen Papst Benedikts XVI. vor.

Zu Beginn des Seligsprechungs-Ritus hatte der Trierer Diözesanadministrator Bischof Robert Brahm die Bitte wiederholt, die katholische Kirche möge Mutter Rosa in die Schar der Seligen aufnehmen. Danach verlas Schwester M. Engeltraud Bergmann, die als Vize-Postulatorin den Seligsprechungsprozeß für die Ordensgemeinschaft begleitet hatte, die sogenannte Petitio. Dieser Text beschreibt und würdigt das Leben und Wirken und die Verdienste der Margaretha Flesch, wie Mutter Rosa mit bürgerlichem Namen hieß. Er handelte von der Kindheit und Jugend, die geprägt waren von Entbehrungen und harten Schicksalsschlägen; berichtete über den frühen Entschluß Margarethas, eine Gemeinschaft gründen zu wollen, um für die Ärmsten der Armen da zu sein; schilderte die Jahre vom Einzug in einer Klause an der Kreuzkapelle bis zur Gründung der Gemeinschaft 1863. Und sparte nicht die letzten 28 Jahre ihres Lebens aus, in denen sie von der eigenen Gemeinschaft an den Rand gedrängt und totgeschwiegen wurde. – Dieses Los hat sie nur ertragen und aushalten können dank ihres unerschütterlichen Glaubens. Daß sie ihrer Gemeinschaft die Treue gehalten hat, zeigt ihre wahre Größe.

Nachdem Joachim Kardinal Meisner das Apostolische Schreiben, mit dem Papst Benedikt XVI. „die Dienerin Gottes Maria Rosa Flesch in das Buch der Seligen eingeschrieben hat“, verlesen hatte und das Bild Mutter Rosas enthüllt worden war, trugen vier Ordensfrauen – sie kamen aus Deutschland, den Niederlanden, aus den USA und Brasilien und repräsentierten damit die Regionen, in denen die Waldbreitbacher Franziskanerinnen tätig sind – den Schrein mit den Gebeinen der Stifterin in einer Prozession zum Altar. Neben dem Schrein wurden zwei Berührungsreliquien – eine in goldene Ringe eingefaßte Perle aus dem Rosenkranz Mutter Rosas und ein von ihr selbst entworfenes, aber nie fertiggestelltes Stickbild – plaziert, dazu Rosen und eine große Kerze mit dem Seligsprechungs-Motto „Aufgebrochen für das Leben“.

Die Internationalität der Gemeinschaft spiegelte sich auch im weiteren Gottesdienst wider. So wurde eine der beiden Lesungen von einer brasilianischen Schwester in Portugiesisch vorgetragen und waren auch bei den Fürbitten wieder alle vier Regionen und damit Sprachen vertreten. Bereits im Vorprogramm auf dem Domfreihof hatten die brasilianischen Schwestern mit ihren Liedern und südamerikanischen Rhythmen und ihrer ansteckenden Lebensfreude die Besucher begeistert. Dort auch dabei war der Zirkus Halligalli aus dem Heilpädagogischen Zentrum Haus Mutter Rosa in Wadgassen (HPZ). Kinder und Jugendliche aus dem HPZ brachten im Gottesdienst bei der Gabenprozession auch Brot und Wein zum Altar. – Kindern und Waisen hatte immer die besondere Sorge Mutter Rosas gegolten.

Nach dem feierlichen Pontifikalamt, das vom Waldbreitbacher Projektchor, dem Trierer Domchor, der Jugendkantorei am Trierer Dom und den Mainzer Dombläsern musikalisch gestaltet wurde, trafen sich die Besucher bei strahlendem Sonnenschein draußen auf dem Domfreihof zu einem Fest der Begegnung. – Viele zog es zunächst aber zum Altar, dorthin, wo der aus heller Eiche gefertigte Schrein aufgestellt war. Sie wollten Mutter Rosa ganz offensichtlich nahe sein. Viele berührten den Schrein und sprachen ein kurzes Gebet, manche küßten ihn gar, unzählige Erinnerungsfotos entstanden. In dem unübersichtlichen Gedränge wurde eines deutlich: Mutter Rosa ist schon jetzt für viele Vorbild und Fürsprecherin.

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