„Dieses Jahr war genau richtig für mich“

Marilena Schwaderlapp hat ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Marienhaus Klinikum St. Antonius absolviert – ihr hat dieses Jahr geholfen, sich beruflich zu orientieren

17.05.2011

Waldbreitbach. Dass sie ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer Psychiatrie machen würde, ist eher dem Zufall geschuldet. „Ich habe mich spät entschieden, ein FSJ zu machen“, denkt Marilena Schwaderlapp zurück. Ihr ursprünglicher Plan war, direkt nach dem Abitur zu studieren. „Aber meine Idee, ein Chemiestudium zu beginnen, hat sich irgendwie noch nicht richtig angefühlt“, erzählt die 20-Jährige. Also hat sie sich kurz entschlossen für ein FSJ beworben – eigentlich im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied. Dort waren jedoch keine freien Plätze mehr zu vergeben, und so ist ihre Bewerbung bei Angelika Muß gelandet. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin des Marienhaus Klinikums St. Antonius fragte bei Marilena an, ob sie sich auch einen Einsatz in einer Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik vorstellen könne. „Nach dem Vorstellungsgespräch habe ich direkt zugesagt“, erinnert sich die junge Frau. Im August 2010 hat sie ihr FSJ begonnen.

Was auf sie zukommen würde, hatte sie schon ein wenig im Vorstellungsgespräch erfahren. „Außerdem ist meine Mutter Psychologin, so dass ich eine gewisse Vorstellung hatte“, berichtet Marilena. Nur den genauen Unterschied zur forensischen Psychiatrie ist ihr erst mit Beginn ihres FSJs klar geworden. „Ich war etwas besorgt, ich würde auch auf Straftäter treffen“, erinnert sie sich und muss über ihre damalige Naivität lachen. Eingesetzt ist sie auf der Aufnahmestation Martin und übernimmt dort unter anderem den Flurdienst. „Damit hatte ich am Anfang meine Probleme“, gibt Marilena zu. Denn augenscheinlich sitzt man nur auf dem Flur und gibt acht auf die Patienten, die die Station nicht oder nicht allein verlassen dürfen. „Ich bin ein sehr aktiver Mensch und ich hatte das Gefühl nichts Nützliches zu tun“, berichtet sie.

Dass dem nicht so ist, hat sie mit der Zeit gelernt und in Gesprächen mit Angelika Muß zurückgespiegelt bekommen. „Dieser Dienst ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe“, erklärt Muß. Die Patienten verbringen viel Zeit in dem gemütlich eingerichteten Flurbereich. „Frau Schwaderlapp ist also auch immer ein Ansprechpartner und muss gleichzeitig die anderen Patienten im Blick behalten“, so Muß weiter. Mittlerweile begreift Marilena den Flurdienst als eine sehr wichtige Tätigkeit. Hier ist sie mitten im Geschehen „und ich erfahre in den zahlreichen Gesprächen viel über unsere Patienten und deren Geschichten“, ist die junge Frau dankbar für die Erfahrungen. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum jemand in eine psychische Krise gerät – der Verlust des Arbeitsplatzes oder eines liebgewonnenen Menschen zum Beispiel. „Das könnte auch jedem von uns passieren“, wird der jungen Frau in diesen Gesprächen klar.

Neben dem Flurdienst übernimmt die FSJlerin noch andere Aufgaben: so zum Beispiel Betten reinigen und beziehen, Blutdruck messen, Wäsche der Patienten versorgen oder kleinere Wünsche der Patienten erfüllen. Sie begleitet die Patienten bei Spaziergängen oder bei den kleinen Einkäufen im hauseigenen Bistro. Wenn sich mehrere Patienten zusammenfinden, spielen sie auch schon mal zusammen ein Spiel. „Die Konsilfahrten begleite ich auch immer sehr gern“, erzählt Marilena. Hier kümmert sie sich um die Patienten, die zur Abklärung von anderen Krankheiten zum Arzt müssen. Denn manchmal kommt neben der psychischen Erkrankung noch eine physische hinzu. „Und damit diese Patienten eine solche Stresssituation nicht allein meistern müssen, begleiten wir sie“, erklärt Muß. Marilena freut sich über das Vertrauen ihrer Kollegen und der Patienten, dass sie diese Fahrten oft eigenverantwortlich absolvieren darf. „Hier habe ich viele andere medizinische Berufszweige kennengelernt“, erzählt sie. Und so hat sich auch ihr Berufswunsch gefestigt.

Denn während des FSJs hat sie festgestellt, dass ein Chemiestudium nicht das Richtige für sie ist. „Ich werde jetzt ein Medizinstudium beginnen“, freut sich Marilena auf die Zeit nach ihrem FSJ. Langfristig könnte sie sich eine Arbeit in der Forschung vorstellen, eventuell der Hirnforschung. „Ich habe hier zum Beispiel Patienten mit Demenz erlebt und es interessiert mich, welche Prozesse im Körper dafür verantwortlich sind“, fügt sie hinzu. Aber ganz sicher ist sie sich noch nicht, denn die Arbeit mit den Menschen macht ihr sehr viel Spaß, so dass sie sich auch vorstellen kann, in einem Krankenhaus zu arbeiten. „Das FSJ dient ja unter anderem dazu, den jungen Menschen eine berufliche Orientierung zu geben“, freut sich Angelika Muß über Marilenas Entschluss.

„Dieses Jahr war genau richtig für mich“, ist Marilena überzeugt. „Jetzt bin ich mir mit meinem Studienwunsch sicher und ich habe wieder viel Elan“, ist sie dankbar, sich diese Zeit genommen zu haben. „Ich nehme unheimlich viel mit“, so die FSJlerin. So habe sie unter anderem Geduld gelernt – gerade im Umgang mit den Demenz-Patienten. Aber auch ihr Blick auf das Leben hat sich verändert. „Einem Patienten mit einer Depression kann man nicht einfach sagen, wie schön die Sonne scheint und alles ist wieder gut“, erklärt sie. Das Bewusstsein, wie schnell man selbst in eine psychische Krise geraten kann und wie wertvoll es ist, dass es dann Menschen gibt, bei denen man Hilfe findet – „das wird mich weiter begleiten“, ist sich Marilena sicher.

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