FSJler erleben Geschichte hautnah

In der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert erfahren die Teilnehmer des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), wie sich Ordensschwestern der Waldbreitbacher Franziskanerinnen für Häftlinge eingesetzt haben
08.03.2012

Hinzert. Es ist still im Raum, als sich 30 junge Leute in die Quellen vertiefen. Nach und nach beginnen leise Gespräche über das, was sie gerade gelesen und am Vormittag erfahren haben. Die Gruppe absolviert gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und beschäftigt sich im Rahmen einer der fünf obligatorischen Seminarwochen mit dem Thema „Inklusion findet im Kopfe statt – Umgang mit Vorurteilen – Integration von gesellschaftlichen Randgruppen“. Dazu besuchen die FSJler, die alle in verschiedenen saarländischen Einrichtungen des Trägers eingesetzt sind, Anfang Februar die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert. „Wie wichtig die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist, zeigen uns ja die jüngsten Taten von Neonazis“, erklärt Dr. Uwe Lautz. Der Leiter der Stabsstelle Freiwilligendienste und seine Mitarbeiter möchten die FSJler in den Seminarwochen auch für die Probleme der Gegenwart zum Beispiel Integration und Toleranz, sensibilisieren. „Denn unser Träger hat sich immer für die Benachteiligten eingesetzt und das möchten wir den jungen Leuten weitergeben“, erläutert FSJ-Seminarleiter Frank Kiehl.

Biografien erleichtern den Zugang

Die FSJler haben während ihrer Schulzeit vieles über das Dritte Reich und den Nationalsozialismus gelernt. „Aber an ganz konkreten Beispielen und Biografien zu erarbeiten, wie es in einem KZ zuging, macht es viel fassbarer“, so der Eindruck einer der Jugendlichen am Ende des Seminartages. Gemeinsam mit Steffen Reinhard, der in der Gedenkstätte für die pädagogischen Angebote zuständig ist, haben die Jugendlichen das Lagerleben nachgezeichnet. Reinhard erklärt ihnen, wie das ehemalige SS-Sonderlager aufgebaut war, von dem heute nichts mehr übrig ist. Er erläutert ihnen anhand der Dauerausstellung, wie der Lageralltag aussah und welche Repressalien die Häftlinge durchleiden mussten. Nachmittags stellte er den FSJlern einige Quellen zur Verfügung, so dass sie die Möglichkeit hatten, aus erster Hand zu erfahren, wie die Menschen, die Zeit damals erlebt haben.

Das KZ Hinzert und das Hermeskeiler Krankenhaus

„Bewusst habe ich den Jugendlichen Quellen gegeben, die das Geschehen damals aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen“, erklärt Reinhard. So lernten die Jugendlichen zum Beispiel den Arzt kennen, der damals das Hermeskeiler St. Josef-Krankenhaus leitete. Bei der Hermeskeiler Bevölkerung hatte er einerseits einen guten Ruf. Als Lagerarzt im SS-Sonderlager Hinzert fügte er andererseits vielen Menschen Leid zu. Er lehnte beispielsweise bei einigen verletzten oder schwerkranken Häftlingen ab, sie in seinem Krankenhaus zu behandeln.

Ordensschwestern retteten einigen Häftlingen das Leben

„Die Quellen über das Wirken der Ordensschwestern im Hermeskeiler Krankenhaus haben mich am meisten beeindruckt“, erzählt eine FSJlerin. Sie seien den Menschen ganz unvoreingenommen begegnet. „Vielen retteten sie das Leben, in dem sie Krankenakten fälschten und so die Häftlinge ein bisschen länger aufpäppeln konnten“, berichtet ein Teilnehmer, was er aus den Quellen erfahren hat. Besonders eine Waldbreitbacher Franziskanerin wird in den Quellen immer wieder genannt und als rettender Engel bezeichnet: Schwester Ernesta. Über sie schrieb einer ihrer Schützlinge, dass sie den Häftlingen nach den grausamen Erlebnissen im Lager mit Liebe und Güte begegnete und versuchte neben den körperlichen Verletzungen auch die seelischen Wunden zu heilen. Außerdem habe sie nicht davor zurückgeschreckt, sich selbst in Gefahr zu bringen, wenn Angehörige sie baten, die Häftlinge besuchen zu dürfen.

Seminar ist gut angekommen

„Die Nachdenklichkeit, das Interesse und die positiven Rückmeldungen der Jugendlichen haben uns bestätigt, dass es gut war, für eines unserer Seminare dieses Thema gewählt zu haben“, freut sich Dr. Lautz über den Erfolg des Seminartages. Künftig soll jeder FSJ-Jahrgang die Gelegenheit haben, in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert der Geschichte des Nationalsozialismus nachspüren zu können.

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